Vierzig.

Heute ist mein Geburtstag, und ich werde 40 Jahre alt. 40 … Vierzig … Vier Jahrzehnte … gefüllt mit einem Leben in wahrlich all seinen Facetten. Dabei schob ich doch erst gestern noch den Puppenwagen über den Hof, dachte, mit 30 ist man spießig und mit 40 uralt. Mit 50 ist man eine Oma, und mit 53 stirbt man dann, weil meine Oma es damals tat. 

Ich durfte in einem Abenteuerland meiner Großeltern aufwachsen. Mit all ihrer bedingungslosen Liebe, mit all ihrem wundervollen spitzbübischen Quatsch. Mit Plumpsklo und Jauchegrube auf dem Hof. Die Oma in einer geblümten Kittelschürze, und der Opa in Bauhose und Feinripp-Unterhemd … immer mit ein bisschen Baustaub an den Händen. Immer. 

Ich durfte mich ausprobieren, ich durfte wahrlich sein. So rollte ich über Wiesen und kletterte auf Bäume, von denen ich allein nicht mehr herunter kam. Ich war dieses kleine, glückliche, blond gelockte, freche Mädchen, das sich alles traute, weil der Opa immer schützend seine riesigen Hände um es hielt … oder halt eine Leiter an den Baum stellte. 

Doch es kam der Tag, an dem das Abenteuerland verschwand. Nicht, weil wir es wollten, sondern weil das Leben eben auch die anderen Geschichten schreibt. Die, mit denen man vielleicht nicht einverstanden ist, die einem beibringen, wie sich Schmerz, Wut, Verletzung und sogar Hass anfühlen. Diese Veränderung kam schnell, um ehrlich zu sein, viel zu schnell.

Die Jahre vergingen.

Doch wer auf Bäume klettert, von denen er allein nicht mehr herunter kommt, der hat viel Zeit, sich Strategien zu überlegen. Also schlich ich mich Jahre später zurück ins sichere Abenteuerland. Wir waren älter geworden, und ich traute mich bei Weitem nicht mehr alles so unbeschwert wie früher. Von der Bauhose und seinem Feinripp-Unterhemd ließ mein Opa allerdings bis zu seinem Tod nicht ab. 

Über meine beginnende Spießigkeit mit Anfang 30 sah ich lächelnd hinweg. Hatte ich mir doch damals fest vorgenommen … SO werde ich nie und wurde es eben doch… naja, ein bisschen. Und jetzt bin ich also 40 und somit uralt.

Mit 40 habe ich noch nicht alles vom Leben verstanden und tatsächlich auch ein bisschen die Hoffnung aufgegeben, es jemals wirklich zu tun. Die Bäume, auf die ich heute klettere, sehen nicht mehr aus wie Bäume. Und manchmal reicht es auch nicht aus, dutzende Male über eine saftig grüne Wiese zu rollen. Vielleicht reicht es aber aus, man selbst, zu sein. Das, was man eben ist … und so, wie man ist, mit Liebe, Respekt und Mut im Herzen … umgeben von Menschen, die einen genau dafür bedingungslos lieben.

Vielleicht ist all das genug! 

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