Kann man Wut lernen?

Für Psychologen und Emotionsforscher ist WUT mit eine der wichtigsten Emotionen. Unterdrückt man sie, droht unsere Psyche krank zu werden. Wut sollte also ab und an gelebt werden für den eigenen Selbstwert, für das Abgrenzen und um nicht eines Tages unkontrolliert durchzuknallen.

Früher war ich oft wütend. Auf Menschen, Dinge und Gegebenheiten. Doch irgendwie hatte ich immer das Gefühl „Wut bringt nichts.“ und hörte irgendwann auf wütend zu sein. Die Wut schlich sich wahrlich davon.

Doch vielleicht ist meine „Wut bringt nichts.“ – Überzeugung  falsch, denn beobachtet man unser zwischenmenschliches Miteinander auf dieser Welt, dann findet man immer wieder Wut. Ausgespien im persönlichen Kontakt, getwittert oder von Journalisten geschürt.

Ich wollte es herausfinden und meldete mich bei einem Wutseminar an. „Lerne Wut!“ war das Motto der nächsten vier Wochen.

Meine erste Aufgabe war es, mir eine Playmobil-Figur aus einer Kiste auszusuchen. Eine die ich besonders blöd fand. Und hässlich. Und doof. Eben ein richtiges Hassobjekt

  • Ich kramte und wühlte und nahm am Ende die, die am freundlichsten lächelte.

Die Kursleiterin sah mich sichtlich irritiert und mitleidig an. An dem Abend fühlte ich mich schlecht, weil ich nicht in der Lage war eine Playmobil-Figur zu hassen.

Die zweite Aufgabe bestand darin, die Figur zu beleidigen.

  • Ich nahm an diesem Tag Claudia (so hatte ich die Figur zwischenzeitlich genannt) mit an meinen Arbeitsplatz und begann in der Mittagspause zu schimpfen und zu fluchen. Ich spürte nix und um ehrlich zu sein, der Playmobil-Figur war es auch ziemlich egal. Emotionsloses Ding.  

Nur … nur meiner Kollegin war es nicht egal. Sie sah mich erschrocken an und sagte „Oh Gott. Ich hab niemals geglaubt, dass Du … also DU solche Worte benutzen kannst. Das klingt so falsch. Nein, das bist Du einfach nicht.

Die dritte Aufgabe bestand darin, die Figur zu zerstören.

  • Am Dienstag saß ich mit einer Freundin zusammen, zog die Figur aus meiner Tasche und stürzte sie kopfüber in mein Wasserglas. Von Wut keine Spur und wir brachen in schallendes Gelächter aus, während Claudia kopfüber im Wasserglas trieb und kleine Luftblase aufsteigen ließ.
  • Beim Strandspaziergang am Donnerstag vergrub ich die Figur im Sand. Das dauerte ungefähr 5 Sekunden und wiederum 20 Minuten reinigte und polierte ich die Spielfigur, damit auch ja kein Sandkorn ihre Gelenke unbeweglich machte.
  • Am Sonntag warf ich Claudia gegen die Wand … doch von Wut keine Spur.

In der vierten Woche brachte ich die Playmobil-Figur zurück in den Kurs. Mit einem Lächeln legte ich sie zurück in die Kiste zu ihren Freunden und verließ die Veranstaltung.

„Lerne Wut!“ ist seitdem zu einem Running Gag in meinem Freundeskreis geworden. Klappt etwas nicht beim ersten Mal, ärgert man sich über einen Idioten, steht im Stau oder sitzt in einem Zug der Deutschen Bahn mitten in der Prärie, dann schreiben wir uns kurze Nachrichten in denen dann lediglich „Lerne Wut!“ steht.

Ich bin sehr froh und dankbar, dass in meinem Leben und in meinem Freundeskreis Wut nur in Minimaldosen vertreten ist.

Denn ich bleibe dabei … Wut bringt (mir) nichts!

„Der Friede beginnt im eigenen Haus.“ Karl Jaspers 

*Dieser Blogbeitrag enthält unbezahlte Werbung durch Markennennung.

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