An einem Morgen im April …

Manchmal bitten mich Freunde über sie zu schreiben. Eine kleine Lobhudelei zum Geburtstag, schmeichelnde Worte und Wünsche für ein heranrückendes neues Jahr oder einfach Gedanken über ihr Leben und unsere Freundschaft. Manchmal schreibe ich sofort darauf los und manches Mal dauert es, sowie jetzt, verdammt lange.

Du saßt vor mir, in diesem kleinen Café in der Düsseldorfer Altstadt. Wir hatten uns ein Festmahl an Köstlichkeiten bestellt und lachten viel. In erster Linie über uns selbst und dann über das Leben. Deine Locken sprangen im Sonnenlicht vor Vergnügen und Dein Lachen schwappte von den großen Fenstern wie eine warme Umarmung in den Raum. Wir kannten uns zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 5 oder 6 Monate und alles,was wir hatten,war wunderbar.

Erinnerst Du Dich an unseren gemeinsamen Versuch endlich fit und sportlich zu werden? Wir brachen vor Albernheit auf dem Spielfeld zusammen und der Bauchmuskelkater kam eher davon, als auch nur einen Hauch von unserem harten Training. Wir waren nicht dafür geschaffen und ließen es bleiben.

Wir hielten einander in der Not und unsere Worte waren stets bedacht … durchdacht und gefüllt mit Freundschaft, Halt & einer Prise Liebe. Ich kannte Deine Dämonen und Du die meinen. Wir sprachen offen und ehrlich und verurteilten uns nie. Ich wusste ewig um das Risiko und auch den Fluch, der Dich begleitet.

Als Du mich an diesem Morgen im April bei der Arbeit besuchtest, hieltest Du mich einen Moment länger und fester als sonst. Ich nahm dies wahr und umschloss auch Dich fester als je zuvor. „Man Du riechst heute gut!“ ,sagte ich zu Dir und Du antwortetest,“Ich fühl mich toll!“ Es war so schön Dich glücklich zu sehen.

Am Wochenende fuhr ich ans Meer. Du wolltest ein tolles Wochenende mit Deinem Freund verbringen. Die Liebe und das Leben feiern. Wir hatten uns für den kommenden Montag verabredet. 11 Uhr in unserem kleinen Café in der Altstadt.

Noch nie zuvor hatte ich einen so tollen Sonnenuntergang gesehen. Wenn ich ganz, ganz, ganz leise war, konnte ich das Zischen hören, als die Sonne langsam ins Meer sank. Millimeter um Millimeter, Sekunde um Sekunde. Es war wie ein Verschmelzen von allem, was ist, zu einem alles, was war. Als die Nacht schon ihren kalten Schal um mich gelegt hatte, sagte ich zu meinem Begleiter: „Diesen Sonnenuntergang werde ich nie vergessen und es gibt nichts, was mir das Gefühl dafür jemals nehmen könnte!“

Am Montag kamst Du nicht zu unserer Verabredung. Ich versuchte Dich 1000x zu erreichen. Nichts.

Am nächsten Tag klingelte mein Telefon. Der Polizeibeamte informierte mich über Deinen Tod. Du starbst am Samstagabend. Todeszeitpunkt: Sonnenuntergang! Ich verlor für mehr als eine Woche meine Sprache.

Es ist nun 10 Jahre her. Ich habe Dich nicht vergessen! Du bist mein Masterpasswort und eine meiner wichtigsten Lehrstunden in meinem Leben. Dein Buch, mit jedem einzeln von Dir geknickten Eselsohr, steht noch immer in meinem Schrank und Deine letzte Postkarte gewinnt auch heute noch von Tag zu Tag mehr an Ironie … „Liebes, ich bin im Vorstadium zum Paradies …“

Meine Schönste! Ich hoffe, Du bist sicher angekommen! <3

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