Warschau, wo bist Du?

Für 3 Tage durfte ich Gast in Warschau sein. Ich war noch nie zuvor in Polen, obwohl meine familiären Wurzeln dort ihren Ursprung finden.

Ich checkte ein im Hilton Warsaw Hotel and Convention Centre und hatte bis zum Beginn des ersten Meetings noch 8 Stunden Zeit. Also die Kamera geschnappt und hinaus ins Warschauer Leben. Die 2,5 km bis zum touristischen Mittelpunkt lief ich so einfach ab. Da waren Häuser, Straßen, Querstraßen, kaum Bäume und kein Müll. Ich schlenderte durch einen typisch polnischen Supermarkt und beobachtete die wenigen Menschen. Das eine oder andere Mal ertönte eine Sirene, die wohl das eindeutigste Zeichen für Leben ist.

In der Śródmieście (dt. Stadtmitte) angekommen, hielt sich meine Neugier in Grenzen. Die Stadt war grau. Die Menschen auch. Weiter ging es zum Unesco-Welterbe der wiederaufgebauten Warschauer Altstadt. Dort war (noch) Weihnachten! 6 Wochen nach dem eigentlichen Fest hingen in den Fenstern Weihnachtsstrohsterne und die Häuser trugen noch ihr Weihnachtskleid. Hatte man Warschau vergessen?

Warschauer Altstadt

Weiter ging es zum Kulturpalast. Gab es dort mehr Leben? Mehr Menschen? Mehr Begegnungen oder Platz für Beobachtungen des täglichen Lebens? Leider nein.

7 Stunden nach meinem Start machte ich mich, bei mittlerweile strömendem Regen, auf den Rückweg. Was ist los in dieser Stadt? Die Menschen sind da, aber sie erzählen keine Geschichten. Spricht man sie an, senken sie den Kopf oder zucken die Schultern. Lediglich ein alter Mann in einer Kirche sprach mich auf Polnisch an. Ich verstand leider kein Wort, doch dann rieb er seinen Daumen gegen den Zeigefinger, das wohl internationale Zeichen für Geld.

Nach insgesamt 14 Stunden draußen in der Warschauer Welt flog ich gestern zurück nach Hamburg. Im Gepäck ein Stück Mohnkuchen, eine original polnische Wurst, aber keine bleibende Geschichte und nur wenige Fotos.

Warschau, wo bist Du?

Warschauer Altstadt

 

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