Schluss in Schleswig.

Wart Ihr schon mal in Schleswig? Schleswig liegt im Norden Schleswig-Holsteins an der Schlei. Ist Kreisstadt und ehemalige Hauptstadt des Herzogtums. Befreundeten Fotografen dient Schleswig immer wieder als idyllische Kulisse, als Romanze zwischen Architektur, Kameralinse und norddeutscher Schönheit. Ob Schleswig auch eine Theaterseele hat, das wollte ich am vergangenen Samstag herausfinden und machte mich auf den Weg …

Ich machte mich eigentlich schon einen Tag früher auf den Weg. Denn Schleswig kann man nicht auf der Durchreise zwischen Urlaubsort und Alltag besuchen, schon gar nicht, wenn man kein eigenes Auto hat.

Ich fuhr also erst mal zurück nach Hamburg, suchte mir in meinem Freundeskreis eine charmante Begleitung … in diesem Fall wichtig MIT Auto … und wir fuhren los. Aus dem Starkregen in Hamburg wurde ein zarter, feiner Nieselregen in Schleswig. Wir waren glücklich!

Das Navigationssystem hatten wir zielsicher programmiert. „Auf der Freiheit“ in Schleswig. Das Navi führte uns allerdings zuverlässig … zum Paketlager von dpd und bestätigte voller Inbrunst „Sie haben Ihr Ziel erreicht!“ Jo … nee! Wir drehten um. Bogen ab. Einmal rechts, dreimal links. Da! Aber zu früh!

Also fuhren wir IN DIE STADT. Parkten den Wagen, tranken eine heiße Schokolade und liefen los im Nieselregen, der langsam in unsere Klamotten kroch, das Laub raschelte unter unseren Füßen, die Stadt war menschenleer, und dann hörten wir ihn. Eminem… so bad … and so loud! Ich schockverliebte mich in genau diesen verrückten Moment des Lebens.

Wir gingen weiter, wollten shoppen. Doch alles hatte geschlossen … nur der Billigramschladen hatte noch offen und verkaufte die erste Weihnachtsdekoration. Wir kauften nichts, aßen nichts, und meine Begleitung sagte aufmunternd: „Das ist bestimmt nur heute so. An einem Samstagabend steppt bestimmt auch hier der Bär!“ Es war Samstagabend!

Gerd parkte sein Auto auf dem ersten Parkplatz an der Ausfahrt. Gerd kam aus Flensburg und wollte der Erste sein, der wieder fuhr, bevor er überhaupt richtig da war. Inge und Manfred hatten sich schick gemacht. Der „Raum für Unterhaltung“ leuchtete den ankommenden Theatergästen ein herzliches Willkommen entgegen. Und sie kamen. Allein, als Freundinnen, als Paar, Mutter und Sohn, die gut gelaunte Mädelsgang.

Die wunderbare Kathi Damerow spielte an diesem Abend im Rahmen von „Schmidt unterwegs“ die vorerst letzte Vorstellung von „Gabi Mut – vom Leben geschlagert.“ Es gibt wohl im Osten des Landes niemanden, dessen Leben sich nach der Wende nicht verändert hätte. Und so gerät Ost-Schlagerstar Gabi Mut schnell in den Strudel der Wiedervereinigung. Kathi Damerow, die das Ein-Frau-Stück selbst geschrieben hat, leiht dabei Gabi nicht nur all ihre schauspielerische Leidenschaft, sondern auch ihr lebendig künstlerisches Talent. Unverwechselbar füllt Kathi die Rolle mit Humor, Stimme, Herz und Hingabe und lässt damit Gabi brilliant ihre eigene Geschichte erzählen. Derweil sitzt der Wessi zweifelnd fragend im Publikum, der Ossi nickt zustimmend schweigend.

Mit ein bisschen Melancholie holte sich Kathi Damerow an diesem Abend ihren mehr als wohlverdienten Applaus ab. Und das Publikum gab ihn ihr gern!

Unsere Getränke stehen noch fast voll auf dem Tisch, als die Menschen bereits wieder den Saal verlassen. Unsere Hände puckern noch vom Schlussapplaus, als die Bedienung beginnt, die Kerzen auf den Tischen auszublasen. Als wir auf den Parkplatz hinaustreten, ist dieser bereits leer. Gerd vermutlich schon kurz vor Flensburg, und nur in der Ferne am Straßenende leuchten noch zwei rote Rückleuchten auf.

Sehr gerne würde ich an dieser Stelle nun schreiben: Kathi Damerow spielt am … um … im … aber leider war es wirklich die vorerst letzte Vorstellung. Aus diesem Grund unterschreibt Petitionen oder am Besten dem Schmidt Theater ins Gästebuch. Gabi Mut muss zurückkommen und ihren Platz im Spielplan des Schmidtchens wiederfinden! Tschüss Gabi … bis hoffentlich bald!

Gabi Mut – vom Leben geschlagert von und mit Kathi Damerow
Regie: Maarten Flügge
Musik: Lukas Nimscheck
Kostüm: Frank Kuder
Bühnenbild: Heiko de Boer
Maske: Jutta Rogler-Paries

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