Der kleine Untermieter Karl & das GLÜCK.

Wie Karl Marini mein Herz eroberte.

Mein ganzes Leben lang begleiten mich Tiere. Große, Kleine mit oder ohne Fell. Als Kind wohnte in meinem Zimmer Meerschweinchen „Susi“ , mein Großvater hatte eine Hasenzucht und wir hatten nicht nur einen Vogel, sondern auch  gleich noch einen Papagei. 14 Jahre verbrachte ich mit meiner Katze „Weichi“ und die Fische „Heidi“, „Naomi“ und „Claudia“ hatten es wohl auch gut bei uns.

Seit meinem 28. Lebensjahr ist kein Platz mehr für ein Tier … für ein faires und liebenswertes zusammen Wohnen. Darum freue ich mich manchmal sehr, wenn ich von einer Reise nach Hause komme und tierischen Besuch habe. Da wohnt manchmal eine Spinne bis sie Miete zahlt und manchmal kommen eben auch besondere Gäste zu Besuch. Sowie im Oktober 2015 Karl Marini.

Eines Abends wurden wir durch ein komisches, sich immer wiederholendes Geräusch aufmerksam. In der guten, runden IKEA-Lampe flog ein Käfer. Rannte wieder zurück zur Startposition und flog wieder ans andere Ende. Bong. Dutzende Male, immer und immer wieder. Ein bisschen irre, der Kleine. Später war es lange still um ihn. Winterschlaf oder Adventsdepression? Er dufte da sein. Im Oktober. November. Dezember. Draussen war schließlich Winter.

Anfang Januar trafen wir uns wieder. Er saß ausserhalb der Lampe, ein feiner Staubfilm auf seinem 18-Punkte-Kleid, die Beinchen eher braun statt schwarz. Herr Marini war alt geworden.

Ich opferte ein Blatt meiner Grünpflanze. Ein Erbstück meines tierliebenden Großvaters. Herr Marini kletterte direkt hinauf zum Stil und trank das im Blatt gespeicherte Wasser. Er hatte Durst, der kleine Käfermann.

Mit einer kleinen Spritze bot ich ihm Wasser an … und ja es war total verrückt … aber es war ein besonderer Moment, denn Herr Marini nahm es an und wir hatten 10 Minuten, in denen mein Herz sich ausschließlich auf diese „Kleinigkeit“ besann. Ich sah ihm zu wie er trank, sich reinigte und immer wieder zu mir zurück kam. Dieser kleine Marienkäfer mit seinen 18 Punkten brachte mir das GLÜCK in mein Seelen- Haus.

Letzte Woche starb Karl Marini und ich habe ihn ans Meer gebracht. Ich fand  er hatte dieses Glück verdient.

Ahoi.

Foto 01.02.16, 22 38 09

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